monitored living.

nadine・24・berlin・feminist

Tagtäglich zitieren Menschen Werbesprüche, singen Jingles, werden von Plakaten und Medien regelrecht zugekleistert und nehmen dann an, dass sie das in keiner Weise beeinflusst. Schon allein diese Behauptung ist ein Zeichen der Beeinflussung, da Jeder, der hinter die Strategien der Werbeindustrie gekommen ist, mit grausamster Ehrlichkeit von sich selber behaupten kann, dass er oder sie eben doch davon beeinflusst wird.

Nicht grundlos arbeiten Psychologen für die Medien.

Nehmen wir mal das typischste, von Feministen am liebsten kritisierteste Thema: Body Policing, zu deutsch: „Körperkontrolle“, oder eher „Körperbeurteilung“.


In der Werbung wird uns ein idealisiertes Frauenbild präsentiert, das uns Tag ein Tag aus wie eine Propaganda eingeflößt wird. Nicht nur auf Plakaten oder in Werbespots, auch in Filmen und Serien sind die Frauen zu geschätzt 80% „schön“. Wozu führt das? Zu einer völlig weltfremden Wahrnehmung der weiblichen Schönheit und vor allem zu einem verzerrten Selbstbild. Nicht nur Frauen sind davon betroffen, auch Männer klagen über ihre Schönheitsmakel. Dies führt zu einer Obsession über den eigenen Körper, die Kontrolle über die eigene Gesundheit und das Aussehen und der natürliche Alterungsprozess wird zu einem „Zerfall der Jugend“ und muss mit Operationen und Cremes gestoppt werden.
Auf der anderen Seite führt es auch zu Feindlichkeiten gegenüber Frauen, die kaum in das idealisierte Frauenbild passen. Vor allem gerne gegenüber Frauen, die trotzdem selbstbewusst kurze Röcke und hautenge Kleidung tragen.
Zugegeben, auch ich muss mich manchmal über den Kleidungsstil und die Kleiderwahl anderer Menschen wundern. Insbesondere dann, wenn sie sich trotz ihres stark überdurchschnittlichen Körperumfanges in Kleidergröße 38 quetschen. Und mit Verlaub, in diese Kleidergröße passe ich schon selber seit 7 Jahren nicht mehr hinein.
Trotzdem halte ich mich mit meinen Gedanken zurück. Zum einen, weil sie unangebracht sind (denn diese Person darf tragen was sie will und wie sie will) und zum anderen, weil ich mich weigere, mein eigenes ästhetisches Empfinden anderen Menschen aufzuzwingen.
Und um ehrlich zu sein wirkt meiner Meinung nach ein Mensch nur schöner, wenn man ihn oder sie nicht von vorne bis hinten auf oberflächliche Art und Weise röntgt.

Diese Feindlichkeiten gegenüber Übergewichtigen (und mehr und mehr auch Untergewichtigen) kann man in allen Schichten dieser Gesellschaft beobachten. Am Arbeitsplatz wird eine hübsche Frau auf ihren Hintern reduziert und nicht auf die Arbeit, die sie leistet. In der Schule leiden die „Hässlichen“ wesentlich häufiger unter Mobbing und dummen Sprüchen. In manchen Kreisen der Oberschicht ist es für eine gut verdienende Frau undenkbar, nach der Geburt ihres Kindes ein paar Pfunde mehr draufzuhaben und auch trotz strengem Alltagstrott zwingt man sich ins Fitnessstudio und ernährt sich über Wochen nur von Salaten ohne Dressing und Luft.

Wie kann man da behaupten, dass die Medien absolut keinen Einfluss auf uns hätten?

Viele behaupten ja, dass sie selber die Verantwortung für ihr Selbstbewusstsein tragen und nicht die Medien. Ja, zum Teil ist das auch richtig. Man sollte sich nicht von den Medien beeinflussen lassen und man muss lernen, sich “von allein” zu lieben.

Denken diese Menschen wirklich, dass solche Umstände rein natürlich und fest in Gehirn verankert und nicht mehr änderbar sind?

Ohne das idealisierte Schönheitsbild in den Medien wäre es meiner Meinung nach viel einfacher sich lieben zu lernen.
Aber wie kann man sich selber und seinem Denken noch vertrauen, wenn man sich vollkommen kritiklos dem wilden Mediendschungel aussetzt?

Überall klagen Frauen über ihr Gewicht, während sie Anderen sagen, dass das nur eine „persönliche“ Sache sei und sie nichts gegen das Aussehen der Anderen hätten.

Das eigene Gehirn verarscht uns oft genug und manchmal arbeiten Gehirn und Medien Hand in Hand.
Auf der einen Seite weiß man, dass es falsch ist so zu denken und auf der anderen Seite hat man es im nächsten Moment wieder verdrängt und teilt die Meinung der Anderen.
Ich möchte dieses Phänomen fast mit Orwells’ Begriff „Doppeldenk“ („1984“) betiteln.
Man muss einfach zugeben, dass sich dieser Vergleich durchaus anbietet.

Man kann dieses widersprüchliche Denken nur durch die Infragestellung der präsentierten Bilder in den Medien loswerden, zumindest ist das meine eigene Erfahrung.

Ich fordere eine Entmachtung der Medien und ich fordere auch, dass Menschen sich über die Macht der Medien klar werden und nicht mehr mit obligatorischen Scheuklappen durch den Alltag laufen.

  1. ichiman said: aw ;; ♥ ♥
  2. monitoredliving posted this